Meine Rasselbande

Leben in einer tierischen WG ツ

Einhandsegler … oder: Mut ist relativ!

Diesen Artikel schreibe ich aus zwei total unterschiedlichen Gründen. Zum einen hat es mit mir selber und zum zweiten mit einer Freundin zu tun, der es im Moment alles andere als gut geht.

Da der Esel sich immer zuerst nennt, fange ich mal mit mir an 😉

Von vielen Freunden, Kollegen und Bekannten habe ich,  meine Entscheidung bezüglich des Hauskaufes betreffend, gesagt bekommen „Alle Achtung, das ist mutig von dir, ich würde mich das nicht trauen.“ Erst einmal vielen Dank für die Blumen 🙂 aber ich sehe das ein wenig anders, denn Mut ist (wie vieles andere auch) einfach relativ. Was ist Mut? Eine Entscheidung für die Zukunft zu treffen? Sich einen Wunsch zu erfüllen? Im direkten Zusammenhang mit diesen Fragen steht auch mein Lebensmotto:

Drei Wünsche!
Die Gelassenheit, alles das hinzunehmen, was nicht zu ändern ist,
die Kraft zu ändern, was nicht länger zu ertragen ist
und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.

Nein, das ist kein Mut! Viel mutiger wäre es gewesen die Augen vor der Zukunft zuzumachen und alles zu lassen wie es ist. Weiter unzufrieden zu sein und sich mit der Dummheit nicht vorhandenen Intelligenz anderer Menschen regelrecht abfinden zu müssen. Vielleicht ist es ja sogar eher feige von mir, derzeitigen unschönen Situationen zu entfliehen als sich ihnen zu stellen, wer weiß? Für mich war allerdings schon lange klar, dass ich meine Kraft lieber in meine eigenen Wünsche investieren möchte als in gemeinsame … hm … nennen wir es mal „Projekte“.

Fakt ist, ich bin mir total sicher, es richtig gemacht zu haben, ob es nun mutig oder feige ist! Ich freue mich auf das was kommt, auch wenn es mit sehr viel Arbeit anfängt 😉

Ich bin mir durchaus bewusst, dass mal wieder einige Besucher dieses Blogs über diesen Artikel erbost sein werden (auch wenn sie angeblich nicht hier lesen :mrgreen:) aber das ist mir völlig egal! Zumindestens habe ich dadurch doch wieder mal für Gesprächsstoff gesorgt und es wird nicht langweilig 😉

So, dann mal zu dem anderen Thema … einer Freundin, die mich gestern Abend anrief und völlig down war. Trotz aller Versuche meinerseits sie zu beruhigen und ihr Ratschläge zu geben, hatte ich das Gefühl, ich konnte ihr nicht helfen 😕 Als wir das Gespräch beendeten hatte ich ein richtig komisches Gefühl und sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Mir wurde gestern Abend bewusst, wie schwer es ist, jemandem zu helfen (mal gerade, wenn man nur eine Seite kennt). Und selbst wenn man es schafft, so liegen die zu treffenden Entscheidungen doch letztlich immer bei dem jenigen selbst. Natürlich werde ich jetzt hier nicht ausbreiten um welches Problem es geht, aber eins ist sicher, ihr würde das oben zitierte Lebensmotto sicherlich weiterhelfen. Manchmal muss man Entscheidungen treffen, die vielleicht in dem Moment auch weh tun, oder aber den Mut haben einen Schritt zu wagen, von dem man anfangs nicht weiß, wie er enden wird. Natürlich muss man sich in diesem Fall auch den daraus resultierenden und eventuellen weiteren Problemen bewusst sein.

Entscheidungen treffen ist sicherlich immer schwer, mal gerade, wenn man meint, keinen Ausweg zu sehen, aber ich bin mir sicher, du schaffst das und ich bin gerne bereit dir zu helfen, egal wie deine Entscheidung auch ausfallen wird!

Du hast die Leinen losgeworfen mit einem Wort,
alle Ketten, aller Ballast gehen über Bord,
hast einen Strich gezogen, deinen Kurs bestimmt,
ins Logbuch eingetragen und das Ruder getrimmt.
Du bist aus dem Hafen auf das off’ne Meer freigekommen,
der Wind fällt in die Segel und du hast Fahrt aufgenommen.
Dein Bug spaltet die Wellen und pfeilschnell zischt
dein Boot über die Kämme und es fliegt die Gischt.
Dein Kielwasser säumt schäumend deine Bahn.
Einhandsegler auf dem Ozean.

Verlassen von allen guten Geistern, das Spiel mit den Fluten meistern,
allein in einem zerbrechlichen Kahn: Einhandsegler auf dem Ozean.

Die Strömung ist gefährlich, die Untiefe nicht weit,
du mußt kreuzen gegen Dummheit und den Geist der Zeit.
Die See wird rauh und kabbelig, wenn du es wagst,
zu widersprechen, wenn du aufstehst und die Wahrheit sagst.
Da ist keine stille Bucht, da ist kein schützendes Ufer,
niemand in der Wasserwüste hört den mahnenden Rufer.
Daß du Recht hast, werden sie dir nie verzeih’n,
und dann stürzen alle Wetter zugleich auf die ein!
Zähl nicht auf Schönwetterfreunde im Orkan,
Einhandsegler auf dem Ozean.

Verlassen von allen guten Geistern, das Spiel mit den Fluten meistern,
allein in einem zerbrechlichen Kahn: Einhandsegler auf dem Ozean.

Du siehst Wellen und Wolken und du siehst kein Land,
da draußen liegt dein Los allein in deiner Hand.
Du hast den Funk abgeschaltet, du brauchst sie nicht mehr,
die echten Heuchler, die falschen Klugen, die blinden Seher.
Du mußt nicht mit ihnen um ihre gold’nen Kälber tanzen,
egal, wie sie sich über dich das Maul zerfransen.
Niemand steht über dir – aber auch niemand steht dir bei.
Das ist ein hoher Preis, doch dafür bist du frei.
Du bist niemands Herr und niemands Untertan,
Einhandsegler auf dem Ozean.

Verlassen von allen guten Geistern, das Spiel mit den Fluten meistern,
allein in einem zerbrechlichen Kahn: Einhandsegler auf dem Ozean.
… allein in einem zerbrechlichen Kahn: Einhandsegler auf dem Ozean.

Reinhard Mey

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8 Antworten zu “Einhandsegler … oder: Mut ist relativ!

  1. David von Schewski 18. Mai 2011 um 10:56

    Das zeichnet einen wirklich großen Musiker und Texter aus. Ich habe tatsächlich alle Alben von ihm hier bei mir stehen und kann sagen – zu so ziemlich jeder Lebensphase gibt es einen tollen, passenden Song von ihm, zu den schlechten, aber auch zu den guten Zeiten. Den „Einhandsegler“ habe ich viel zu lange nicht mehr angehört, werde ich gleich jetzt machen, Danke dafür!

    David

  2. Marlene 18. Mai 2011 um 11:47

    Huhu,

    erst einmal zu dir 😉
    Ob man es Mut oder nicht nennt ist immer eine Auslegungssache.
    Flucht oder gar Feigheit ist es auf jeden Fall nicht … Selbstschutz trifft es wohl eher, mit einem kleinen Schuss Mut 😉

    Vielleicht war es auch ganz gut, dass einige in deinem direkten Umfeld mein(t)en machen zu können was sie wollten, sich durch einseitige Meinungen beeinflussen lassen, denn ansonsten würdest du deinen Traum von einem Haus mit supertollen Grundstück nun nicht realisieren. 🙂

    Vielleicht solltest du bestimmten Personen in deinem direkten Umfeld noch eine Danksagung aussprechen, denn ohne diese und deren Verhalten würdest du vielleicht deinen Traum vom HAUS nicht umsetzen. Vielleicht wissen sie das auch und es wurmt sie für dich noch so positiv gewirkt zu haben :mrgreen: Ansonsten ist es nicht verständlich wie viel Engerie sie für dich entwickeln 🙄 (okay, außer es passiert sonst nichts aufregendes im Privatleben – soll es ja geben :roll:)

    Und ob andere über deinen Beitrag erbost sind, kann dir auch so etwas egal sein, darüber würde ich keinen Gedanken verwerfen. Zum einen interessiert die dein Blog ja „eigentlich“ nicht und zum anderen sollen diese dankbar sein, beim nächsten Bierchen dann wieder ein aufregendes Thema zu haben *prösterchen*

    Zu deiner Freundin: auch wenn du das Gefühl hast, dass du ihr nicht wirklich helfen konntest, stimmt das auch nicht so. Es hilft oft schon, wenn man einfach jemanden hat, mit welchen man sich ausquatschen kann. Einmal deren Meinung zum Geschehen hören … einfach jemanden zu haben, denen man auch einmal die dunklen Wolken des Lebens ans Ohr labern kann. Von jemanden Dritten Entscheidungen zu erwarten, dass macht keiner… eher die Meinung dazu wissen wollen 🙂

    LG
    Marlene

    PS:
    wenn dein Umfeld ein Problem mit meinen Kommentar hat, sollen diese sich bitte an mich wenden 🙄

  3. Uli 18. Mai 2011 um 12:46

    Hallo Sylvia,
    ich kann mich nur voll und ganz Marlene anschließen.
    Was interessieren Dich andere Menschen, die Dir sowieso unwichtig sind.
    Nur der Rat der Menschen, die einem wichtig sind und es gut mit einem meinen,
    also „echte“ Freunde, kann als Entscheidungshilfe dienen.
    Aber letztentlich entscheidet jeder für sich selber und dies kann einem auch kein
    anderer abnehmen. Bei Problemen kann es jedoch sehr hilfreich sein, sich
    einem anderen Menschen anzuvertrauen. Also hast Du auf jeden Fall Deiner
    Freundin geholfen, indem Du einfach für sie da bist und zuhörst und vielleicht den
    ein oder anderen wertvollen Tip gibst.
    Dein Lebensmotto gefällt mir ausgesprochen gut. So ähnlich versuche ich es auch
    zu handhaben, auch wenn es mir nicht immer gelingt.
    Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Freude in Deinem neuen Haus und dass alles so
    läuft, wie Du es Dir vorstellst.

    LG
    Uli

  4. Inga 18. Mai 2011 um 14:22

    Ich bin mir sicher, dass du deiner Freundin helfen konntest! Also helfen in dem Sinne nicht, da sie sich die Hilfe nur selber geben kann, aber sie brauchte jemandem, dem sie ihren Kummer anvertrauen konnte und ist froh dich zu haben. Sie dankt es dir sicherlich von Herzen 😉 🙂
    GLG

  5. Trixie 18. Mai 2011 um 17:24

    Hallo Sylvia,

    auch ich habe nichts zu Marlene hinzuzufügen, im Grunde hat sie alles sehr treffsicher gesagt.

    Allerdings würde ich nicht die Frage stellen, ob Deine Entscheidung mutig oder feige war. Sicherlich ist es immer mutig, ein finanzielles Risiko einzugehen. Aber in Deinem Fall hast Du eine unerwartete – aber in meinen Augen intelligente! – Lösung gefunden. Damit konnte Dein Umfeld nicht rechnen. 😉 Solche Lösungen liebe ich, denn sie erfordern eine gewisse … nun sagen wir mal … geistige Beweglichkeit und das Leben wird nie langweilig.

    Irgendein schlauer Kopf hat mal gesagt: „Wer seine Nase in die Angelegenheiten anderer Leute steckt, sollte einen moralischen Schnupfen bekommen.“

    Ich wünsche Dir auf alle Fälle viel Glück beim Traum vom Haus und ein besseres Umfeld.

    Liebe Grüße
    Trixie

  6. Jens 18. Mai 2011 um 20:49

    >> Wenn Leute ständig damit beschäftigt sind, sich über Andere aufzuregen, kommen sie natürlich nicht zu den eigentlich wichtigen Dingen << (Twitter Sprichwort 🙂 )

    Und oftmals sind diejenigen unzufrieden mit sich selbst oder ihrem persönlichen Umfeld und versuchen dadurch von sich auf andere abzulenken. 😉

    Es gehört nicht nur Mut zu deinem Schritt, sondern ein gesundes Selbstbewusstsein und das wurde unterschätzt. Vorab ging es immer nur um etwas, worüber das Umfeld informiert war – wenn auch teilweise nur einseitig, aber ein Teil deines Umfeldes tappt nun im Dunkeln und diese Unwissenheit nagt 🙄

    Viele Grüße
    Jens

  7. phantomtine 20. Mai 2011 um 08:40

    Treffender als Marlene kann man es eigentlich gar nicht schreiben. Ich kann mich ihrem
    Kommentar nur voll und ganz anschließen.
    Liebe Grüße
    Tine

  8. *Ein digga Kollege* 26. Mai 2011 um 11:48

    Ich finde es wirklich super, dass du dich zu dem Schritt entschlossen hast. Viele hätten tatsächlich den Schwanz eingezogen und versucht sich zu verstellen, zurückzustecken und irgendwie mit der Situation zu leben. Daher ist die Entscheidung wirklich authentisch von dir, weil du generell kein Mensch bist, der sich verstellt – eben eher so der geradeaus-und.durch-Typ 😉

    Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Das Häuschen ist echt traumhaft und auch schön gelegen. Von der tollen Terrasse mit dem Garten mal ganz zu schweigen 🙂

    Freut mich, dass du der Zukunft mit einem Lächeln entgegensehen kannst 🙂

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