Meine Rasselbande

Leben in einer tierischen WG ツ

Einblicke in die Katzenheimat

Ein paar Wochen ist es bereits her, dass ich mit Sabine zu ihren Hafenkatzen fahren durfte um einen Einblick in ihre (ganz private!) Tierschutzarbeit zu bekommen. Für die Möglichkeit mitzufahren zunächst einmal vielen Dank an Sabine, denn ich habe ihren gewohnten Rhythmus durch meine Anwesenheit mächtig durcheinander gebracht 😉

Ein paar Wochen ist es her, und die brauchte ich auch, um alles Erlebte sacken zu lassen und zu Papier bringen zu können, denn was Sabine macht, ist nicht einfach nur mit „wilde Katzen füttern“ zu beschreiben. Es ist soviel mehr! …

Es gab Stellen, an denen sahen wir nicht eine einzige Katze und nein, es lag nicht an meiner Anwesenheit. Die Tiere sind extrem scheu und an diesen Stellen wird von zwei Leuten gefüttert und diese haben unterschiedliche Zeiten. An anderen Stellen blieb ich im Auto um die an Sabine gewöhnten „Wilden“ nicht zu verunsichern. Diese „wilden“ Katzen kann man eher als „Ex-Wilde“ bezeichnen, allerdings nur im Hinblick auf Sabine, denn sie lassen sich von ihr inzwischen sogar auf den Arm nehmen. Erscheint ein fremdes Gesicht in der Nähe ist damit sofort Schluss, dann hungern sie lieber als einen Fremden in ihrer Nähe zu ertragen. Sabine sind diese Momente heilig!

Von Sabine wird zwischen diesen verschiedenen Futterstellen kein Unterschied gemacht, sie werden gleich liebevoll und mit viel Fürsorge betreut. Aber mal von Anfang an …

Wie soll ich die Fahrt beschreiben? Meine Füße waren schön warm, der Rest hat gefroren und nein, Sabine hat die „Fußheizung“ nicht für mich angemacht, das glaubt mal nicht 😉 Im Beifahrerfußraum liegen die für die Fütterung vorgesehenen Katzenfutterdosen und die sollen (bei den derzeitigen Temperaturen) warm werden. Ein Glück für meine Füße! Alles ist durchdacht. In leeren PET-Flaschen wird frisches Wasser mitgenommen, ein Stapel frische Futter- und Wasserschüsseln ist stets dabei und häufig gibt es sogar gekochte Hühnchenbrust und Gouda zusätzlich zu hochwertigem (hierzu später mehr!) Dosen- und Trockenfutter. Zeitungen und Karton dienen als Unterlage, und unter die Näpfe kommt jedes Mal frisches Küchenpapier, denn Katze (auch die Wilde!) hat nun mal Ansprüche. Eine ganz persönliche Anmerkung von mir: Es gibt viele Hauskatzen, die diesen „Service“ nie erfahren, weil ihre Besitzer das nie verstehen werden!

Sabine fährt alle Futterstellen zweimal am Tag an, zu jeder Jahreszeit, egal ob es im Sommer heiß ist und sie gegen die Fliegen ankämpft oder im Winter, in denen das Futter und Wasser einfriert.
Morgens füttert sie nur die anwesenden Katzen die Hunger haben. Für die, die sich nicht sehen lassen reicht Trockenfutter und frisches Wasser. Sie nennt das Ganze „kontrollieren“ und bei dieser Tour nimmt sie auch die leeren Schalen vom Vorabend mit, um diese zu spülen.

Im Sommer muss Sabine abends wegen der Fliegen und ihrer Hinterlassenschaften oft ewig warten, bis sie füttern kann (Feierabend ade!) und im Winter legt sie Taschenwärmer (Photo) unter die Futterschalen um ein Einfrieren zu vermeiden. Ich habe mir jetzt, Anfang November, schon den Arsch Hintern abgefroren, ich möchte gar nicht wissen, wie das erst ist, wenn Eis und Schnee liegt … und einen pünktlichen und gemütlichen Feierabend kennt sie seit vielen Jahren nicht und es macht ihr nichts aus.

Selbstverständlich spreche ich mit Sabine solche Artikel durch bevor ich sie einstelle, denn schließlich schreibe ich hier über das, was Sabine am Wichtigsten in ihrem Leben ist, denn die geschätzten 20 Katzen werden von ihr nun bereits mehr als fünf Jahre versorgt. Sie fand den Artikel „blass“ was wohl daran lag, dass ich versucht habe, ihn neutral und nicht „aufreisserisch“ zu schreiben, schließlich ist das hier nicht die BILD-Zeitung 😉 Ich wollte Fakten liefern und kein Mitleid erzeugen. Aber sie gab mir einen guten Hinweis, sie fragte mich, was ich an dem Abend gefühlt habe, und das versuche ich jetzt mal in Worte zu fassen …

Es war nicht nur kalt, nein, es war auch dunkel und ehrlich gesagt auch ein wenig ziemlich unheimlich. Ich sah Fabrikgebäude, die um diese Zeit verlassen wirkten. Von Irgendwo her drangen Männerstimmen, aber ich konnte nicht ausmachen, woher. Ich bin kein ängstlicher Typ, zumal ich aufgrund meiner Größe und sportlicher Kleidung nicht gerade feminin wirke, aber mir kam spontan der Gedanke „Hier möchtest Du nicht jeden Abend alleine rumwerkeln.“  Sabine schien das alles nichts auszumachen, welche Wahl hat sie auch? Sie möchte helfen, also muss sie ihre Angst (die garantiert vorhanden ist!) überwinden. Was fiel mir noch auf? Die Futterstellen müssen an versteckten Orten eingerichtet werden, denn es gibt nicht nur Tierfreunde! Und hier ist es alles andere als gemütlich, an einer Stelle versorgt Sabine den Unterschlupf sogar durch die Streben eines Tores. Hier wurde die Futterstelle inmitten von entsorgten Industrieabfällen eingerichtet. Den Katzen ist das egal, denn aufgrund der Abfälle fällt die Stelle nicht auf, und genau das möchte Sabine erreichen.
Fazit: Sie versorgt die Katzen tagtäglich in Gegenden, in denen man Frau abends nicht alleine rumrennen sollte …

Aber warum schreibe ich das alles? Zum einen sicherlich, um meine Erlebnisse festzuhalten und Einblicke in eine ehrliche und sinnvolle Tierschutzarbeit zu erfahren, denn davon kann man nie genug bekommen. Zum anderen würde ich in diesem Zusammenhang gerne auf einen Aufruf der Katzenheimat aufmerksam machen. Wie gesagt, Sabine finanziert das alles aus eigener Tasche und ist immer froh um Futterspenden … allerdings gibt es hier eine Einschränkung, denn Sabine hat die Erfahrung gemacht, dass auch ihre „wilden“ Katzen nicht alles fressen. Ich möchte in diesem Zusammenhang an das 4%-Märchen erinnern. Ja, auch wilde Katzen wissen was gut für sie ist! Wenn ihr also bereit wäret zu spenden, denn lieber etwas weniger und dafür hochwertiges Futter. Vielen Dank im Namen der „Wilden“.

Wie könntet ihr noch helfen? Wer für seine tierischen Mitbewohner bei zooplus bestellt, und über das Banner auf dem Blog der Katzenheimat zu dieser Seite wechselt unterstützt automatisch die Hafenkatzen, denn die kleine Provision, die Sabine dafür bekommt, wird in Katzenfutter umgesetzt. Euch entstehen dabei keinerlei Kosten!

Im Namen der Katzenheimat vielen Dank für euer Interesse!

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4 Antworten zu “Einblicke in die Katzenheimat

  1. ute42 2. Dezember 2011 um 15:37

    Ein sehr interessanter Bericht. Eine Bekannte von mir hat in ihrem Garten 5 wilde Katzen, die sich mitterlweile dort sehr wohl fühlen. Sie füttert sie regelmäßig und im Winter haben sie einen Unterschlupf in einer kleinen Scheune. Wenn Fremde wie wir kommen, dann verschwinden sie sofort. Sie selbst darf sie auch nicht anfassen. Nur ihr Mann scheint akzeptiert worden zu sein. Ihm laufen sie sogar nach, wenn er Futter bringt 🙂

  2. fitundgluecklich 2. Dezember 2011 um 18:02

    meine nächste zooplus bestellung werd ich wohl definitiv über den link hier machen, danke für die tolle möglichkeit!! ich bewundere was leute wie sabine tun und mache selbst leider viel zu wenig, warum kann ich gar nicht sagen…darüber muss ich wohl mal nachdenken…

  3. Sylvia 2. Dezember 2011 um 18:08

    @Ute:
    Finde ich toll, was Deine Bekannte macht! Der Mann deiner Bekannten scheint wohl zum Rudelführer erklärt worden zu sein, klasse! 🙂

    @Ulli:
    Vielen Dank im Namen von Sabine und den Hafenkatzen für dein Vorhaben! 🙂
    Hm, was Sabine leistest kann ja auch nicht jeder, ich könnte es auch nicht, hängt alleine schon mit dem Job und auch meiner eigenen Rasselbande zusammen. Ich habe es gerade mal zum „Tierschutz für Weicheier“ geschafft 😉

  4. Frau Fröhlich 5. Dezember 2011 um 10:28

    Einfach nur Hut ab !
    Ich könnte das aufgrund meiner jetztigen Lebensumstände auch nicht.
    Mal ganz abgesehen davon, ich wüsste gar nicht, ob und wie viele wilde Katzen es bei uns gibt *grübel* … auf dem Land ist das ja eh nochmal eine andere Situation als in der Stadt denke ich.

  5. Miriam 10. Januar 2012 um 15:37

    Es ist schön zu sehen, dass es noch Menschen gibt, die sich für die Tiere einsetzen. Es gibt genug Leute, die sie einfach wegtreten oder andersweitig verletzen – das habe ich schon oft genug gesehen! Daher wirklich respekt!

  6. Stephan 11. Januar 2012 um 11:07

    Ein sehr schöner Artikel. Es tut gut auch mal positive dinge über wildlebende Katzen zu hören. Leider werden die Tiere viel zu oft gequält.
    Ein riesen Lob an Sabine!!!

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